Bella Ciao

Bella Ciao 1920 1080
Bella Ciao

 Vor einiger Zeit hatte ich das erste, in Deutschland erschienene Buch von Raffaella Romagnolo gelesen: ‚Bella Ciao‘ was im italienischen Original Destino = Schicksal heisst. Doch in diesem Roman erzählt die Autorin das ganze Leben von Giulia Masca, die 1946 in das italienische Dorf zurückkehrt, aus dem sie vor fast 50 Jahren nach Amerika geflohen ist. Sie sucht die Spuren der Vergangenheit und ihre ehemals beste Freundin Anita, die ihr damals den Verlobten ausgespannt hat. 

Romagnolo benutzt die Lebensgeschichte der beiden Frauen als Klammer, um die Geschichte der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts lebendig werden zu lassen. Der erste Weltkrieg, die spanische Grippe, die jungen Anarchisten, die letzten Reste des Feudalismus und der aufkommende Faschismus; die Partisanen natürlich und alles anhand lebendiger Figuren erzählt, Liebe Tod und Klassenkampf inklusive. 

Und so unterhaltsam, dass mein nicht ganz so Literatur-begeisterter Freund Uwe das Buch innerhalb einer Woche verschlungen hat. Zugegeben, es war in Italien…

Und ich – wollte, ich hätte so ein Buch schon als junge Aussteigerin lesen können. Ich hätte besser verstanden, was sich hinter den märchenhaften Kulissen der Südtoskana schon alles abgespielt hat. Aber verstehen lernen hört ja nie auf.

Raffaela Romagnolo
Bella Ciao
Diogenes Verlag
516 Seiten
13 Euro
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4 Kommentare
  • geht ja gut los. ersten artikel auf diesem blog angeklickt, und schon muss ich das buch bestellen. 😀 danke. gerne wieder.

    • Danke Dani! Irgendwann werde ich auch noch lernen, mit der technischen Seite des Blogs umzugehen, dann kommt meine Antwort schneller. Bin gespannt, ob Dir Bella Ciao auch so gut gefällt! Bis bald in der Geiss,
      Sanna

  • Brigitte Hofius 07/2021 um 17:37

    Eines der besten Bücher in meiner letzten Lesezeit. Eine Familiengeschichte ( oder auch Dorfgeschichte) sehr berührend und lebendig geschildert, spannend; vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung, 1. und 2. Weltkrieg, italienischer Faschismus, Widerstandskampf, scheint mir historisch korrekt zu sein, aber dargestellt durch das Schicksal der Menschen, die das Leben erleiden oder die sich bereichern durch Ausbeutung der Dorfbewohner . Manchmal herzzerreissend das Elend der Frauen und Kinder in der Fabrik, wo die Seidenraupen verarbeitet werden. Spannend auch der Wechsel zwischen Leben im ligurischen Dorf und dem Leben der ausgewanderten Italiener in New York, die als Menschen 2.Klasse behandelt werden. Die liebevolle Schilderung der Schicksale hat mich emotional sehr beeindruckt und gefesselt. Beim späteren Nachdenken fand ich es auch toll, wieviel man über die Geschichte in dem verarmten „politisch verlotterten“ Dorf in Italien und über das Leben der Migranten in New York erfahren konnte.
    Hat mein Interesse an Italien geweckt: zB Francesca Melandri: Alle außer mir
    Familiengeschichte, zentrale Frauengestalt lebt im modernen Rom, Vater war in Äthiopien, damals Abessinien, als Soldat, hinterlässt dort einen Sohn, der später als Migrant in Rom auftaucht
    Gut und spannend erzählt die Generationenkonflikte und im Hintergrund Geschichte von Mussolini bis Berlusconi
    hat die Schwarze Geiss bestimmt auch auf Lager !!

    • Sanna Dietrich 07/2021 um 11:16

      Vielen Dank für diese ausführliche und schöne Rückmeldung. Es ist wirklich ein tolles Buch, genau wie ‚Alle ausser mir‘ von Francesca Melandri, das ich auch mit Spannung gelesen hatte, aber das war schon vor dem Blog…

      Und es gehört tatsächlich auch zum Bestand der „Schwarzen Geiss“.

      Ich war gerade zwei Wochen in der Toskana, im digitalen Nirvana, selbstgewählt. Dafür viel Sonne, heisse Tage, kühle Nächte, Sternschnuppen und ein wenig aus der Welt fallen…

      Danke nochmals – ich freu mich sehr, wenn jemand meine Begeisterung teilt!

      Sanna